Poste Italiane

 Nachdem ich erfahren habe, dass der Karfreitag in Italien nicht so ein Feiertag ist wie in Deutschland, schleppe ich mein schweres Paket zur Post in Lorenzana, die tatsächlich geöffnet hat. Das Paket soll auf die lange Reise zu meiner Tochter nach Portland/Oregon gehen. Die kleine Postfrau, mindestens einen Kopf kleiner als ich, schaut entsetzt und sagt als Erstes: »No«.

»No?«, ich schaue auch entsetzt. Ich dachte, das ist Poste Italiane?

Da sie mich nicht wegschickt, zeige ich ihr meinen Zettel, auf dem die Adresse von Portland/USA draufsteht und ich verstehe, dass das Formular, welches ich mir ganz alleine aus dem Drehständer genommen habe, das Falsche ist. Dafür war ihr klares: »No.«

»Ah, capito.« Wir verstehen uns.

Ab diesem Moment verbringe ich fast zwei Stunden in diesem kleinen Postamt. Ich höre sie hektisch telefonieren und verstehe immer wieder das Wort internazionale und ihr:

»Si, si, capito.« Sie wendet sich mir mit dem typischen allora (okay, dann) wieder zu und ich muss mindestens zwanzig Dokumente ausfüllen. Schreibe zwanzig Mal meine Adresse, zwanzig Mal Marias Adresse, zwanzig Mal, was Inhalt des Paketes ist. Natürlich aufgeschlüsselt in Gramm und Kilogramm. Es muss haargenau mit dem Gesamtgewicht des Paketes übereinstimmen. Sie ist mit meinen schludrigen Ungefähr-Angaben nicht zufrieden und zerreißt den letzten Zettel. Kopfschüttelnd. Seufzend. Auf ein Neues muss ich bis zu zwei Stellen hinterm Komma rechnen. Mathematik mochte ich noch nie, und ich fühle meinen kleinen Trotz anklopfen. Ist doch egal, wie viel Gramm Schokolade da drin sind oder?

Allora, sie ist zufrieden. Wir lassen ein paar Einwohner aus Lorenzana vor. Ich drehe mich immer mal um und sage: »Scusi, scusi.«

Da ich so wenige Wörter italienisch kann, sage ich sie besser doppelt. Alle lächeln mich an und winken ab. »N ... problema.«, verstehe ich.

Die nette Postfrau gibt nicht auf, zwischendurch telefoniert sie ernst und stimmt mit irgendjemand Wissendem am anderen Ende der Leitung die nächsten Schritte ab. Sie tippt Marias Adresse in den Computer. Der Computer findet Portland nicht. Alles, was sie tut, sagt sie laut, so dass alle im Postamt nun wissen, das ich ein Paket in die USA schicke. Per mia figlia Maria (meine Tochter Maria). Und alle wissen auch, dass ich die Deutsche bin, die jetzt hier wohnt. Meine italienische Adresse musste ich nicht nennen, die wusste die Postfrau schon.

Sie fragt mich: »Grande city o piccolo city?«

Ich sage, meine Worte mit einer großen Armbewegung unterstreichend:

»Grande, grande city. Oregon. USA. Grande.« Der Computer kennt Portland nicht. Ein junger Mann steht auf und hilft ihr, zu erklären, wo Portland liegt.

Jetzt! Auch erledigt. Allora.

Das 25. Formular wird ausgedruckt. Ich muss wieder die Adressen ergänzen und dieses Mal zusätzlich auch mein Geburtsdatum angeben. Inzwischen bedient sie die anderen Italiener. Alle lächeln, keiner schimpft und ich schenke ihnen mein schönstes Grazie mille.

Als wir wieder allein sind und sie scheinbar die Preise im Computer gesehen hat, fragt sie mich: »Grande money? Avanti, avanti?« Sie breitet ihre Arme wie ein Flugzeug aus, zeigt mir einen entsetzten Gesichtsausdruck, so dass ich glaube, grande money werde ich nie im Leben bezahlen können.

»O piccolo money? Spedizione?.« Ihr Gesicht wirkt glücklicher und ich sage sofort: »Piccolo money.«

Jetzt ist sie wahrhaft zufrieden. Wir müssen nun sehr viele Papiere für den Spediteur ausfüllen. Kurz vor dem Ende, ich bin schon sehr, sehr lange in der Post, fragt sie nach meiner Steuernummer. Glücklich, dass ich meine italienische Steuernummer sofort als Mail auf meinem Handy finde, trage ich diese Nummer in die Kästchen vom Spediteurdokument ein. Allora. Fertig.

Seufzend schaut sie mich an und ich denke sofort, ich habe bestimmt über das Kästchen geschrieben und ich mag es nicht, sie so traurig zu sehen. Aber nein, sie braucht eine Kopie meiner Steuernummer-Chipkarte. Für den Spediteur. Logisch! Die Chipkarte liegt ordentlich zu Hause im Ordner Italien-Dokumente. Ich muss wieder kommen. Domani. Sabato.

Als ich nach Hause komme, ist Frank ganz aufgewühlt. Er hat mir Kurznachrichten geschickt, ob alles okay wäre. Er dachte, ich hätte mal wieder unser Auto versenkt und hätte mich nicht getraut, anzurufen.

»Aber nein, Fränky. Ich habe versucht, ein Paket aufzugeben. Ich muss morgen nochmal hin.«

Am Samstag geht alles sehr flott. Sie kopiert meine Chipkarte und stempelt alle Dokumente so, wie ich mir ein Stempeln aus Leidenschaft oder aus Berufung vorstelle. Sie holt mit dem rechten Arm ordentlich Schwung und lässt den Stempel auf das Papier fallen, dass es nur so knallt. Alle im Postamt erstarren vor Ehrfurcht.

 

Meine liebe Maria, ich habe keine Ahnung, wann dieses Paket für piccolo money nun ankommt. Aber die drei Wörter Englisch der Postfrau und meine zehn Wörter Italienisch haben das Paket auf den Weg gebracht. 

 

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Der leise Übergang zum Ich

Schleichend neigt sich der Tag.

Vor mir öffnet sich das Meer und hinter mir, im Rückspiegel,

verschwindet die glutrote Sonne hinter den Bergen.

 

Gleich.

Gleich sitzt Du im Flugzeug und hebst ab.

Bist weg.

Ich zögere das Nachhause fahren hinaus,

fahre Umwege,

halte hier und halte da.

Habe Angst in das stille Haus zurück zu kommen.

Dein präsentes Fehlen zu fühlen,

all Deine Sachen zu sehen und zu wissen,

lang wird die Zeit sein.

Sehr lang.

 

Habe Angst vor dem verschwindendem Wir und dem leisen Übergang zum Ich.

Jedes Mal die gleichen Ängste.

Wer bin ich ohne Dich?

Ohne meine Rollen?

Ohne meine Egos?

Wer bin ich allein?

 

Scheu und neugierig freunde ich mich wieder mehr mit mir an.

Schaue, was mir gut tut.

Bin freundlich zu mir.

Liebe mich so,

wie Du mich sonst liebst.

 

Mein Herz pocht wild.

 

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Was?

Was soll ich sagen, Leben?

Du überraschst mich.

Berührst mich.

Irritierst mich.

 

Scheinbar liebst Du mich.

So, wie ich Dich.

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Mein alter Freund

Berührt von Dir und Deinem Lebensweg,

hänge ich nun unseren Gesprächen nach und vermisse Dich.

 

Denke, Du kommst bald um die Ecke.

Hoffe, Du fragst gleich, ob ich auch einen Frappe´ möchte.

Glaube, Du bist nur kurz schwimmen.

 

Ich durfte Dir mein neues Leben zeigen, voller Stolz!

Jeden geliebten Gebirgszug, Lefka Ori.

Jede Lieblingstaverne, jeden Strand, jede Pflanze, meine Katzen.

Was ich liebe, liebst du nun auch.

 

Die Tage mit Dir vergingen langsam und doch zu schnell.

 

Ich weiß, wir sehen uns wieder.

Immer wieder, in diesem Leben und auch in einem anderen.

Wo auch immer. Mein Herz ist offen.

 

Wie schön, dass es Dich gibt.

 

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Alles neu

Dein 49. Geburtstag.
Im 7 Jahres-Rhythmus ein wichtiges Jahr.
Etwas wird vollendet oder hat begonnen.
Etwas ist im Umbruch.
Eine neue Lebensphase steht in den Startlöchern.

 

Es gab viel Wirbel in Deinen letzten Jahren.
Viele Zweifel, viel Abwägen, viel Nachdenken und auch:
So viel Lust auf Neues.
Einen neuen Weg, ein neues Land, eine neue Liebe.
Mich.

 

Du hast Dich entschieden, sorgst für viel Klarheit.
Gehst unbeirrt nun.

Deine Schritte auf diesem neuen Weg.

 

Dir Wünsche zu erfüllen, macht mich glücklich.
Deine Bescheidenheit rührt mich.
Materielle Dinge bedeuten Dir nichts mehr.

 

Ein Tag am Strand, mit mir.
Dem Meer lauschen.
Den Wind spüren.
Ins Wasser gehen, schwimmen.
Langsam sein.
Gemeinsam lachen.

 

Das war Dein Wunsch.

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