Ein Toskana-Rückblick

In diese Küche hatte ich mich schon auf den Fotos der Immobilienanzeige verliebt. Nun sitze ich hier, bin ein paar Tage allein auf meinem toskanischen Hügel und allein heißt hier: Allein! Keine Nachbarn in Sichtweite, keine Stadtgeräusche. Absolute Stille. Nur die Katzen sind mein Seismograf. Entweder, sie spitzen die Ohren, weil sie etwas Ungewöhnliches hören und machen mich damit wahnsinnig oder sie liegen völlig entspannt neben mir, so wie jetzt. Dann entspanne ich auch.
Im Februar, mein Gott, erst im Februar!, sind wir von Kreta in die Toskana gezogen. Noch nicht mal ein Jahr ist es her. Wie schon auf Kreta findet alles das erste Mal statt. Frühling, Sommer, Herbst, tanken, Autowerkstatt, einkaufen, Strand suchen, Menschen kennenlernen, Weihnachten. Fremdes Land, fremde Sprache. (Tanken ist einen Extra-Beitrag wert).
Apropos Sprache. Ich liebe es, wenn ich über den Markt laufe und höre: Prego, Signora oder buongiorno, cara (Guten Tag, Liebe). Ich habe ewig gebraucht, mir das Wort Kiosk zu merken edicola. Erst die Eselsbrücke, dass da Cola im Wort steckt, hat meinem müden Hirn geholfen. Cola-Kiosk-logisch edicola! Colazione wiederum heißt Frühstück und da ist ebenfalls das Wort Cola enthalten. Cola ohne. Also merke ich mir keine Cola zum Frühstück colazione. Noch schlimmer das Wort Ampel. Immer wieder habe ich es mir falsch gemerkt. Semaforo. Wie soll man sich das merken? Erst ein Freund, der zufällig zu Besuch war, brachte den Durchbruch: Sema (sieh mal)da vorne rot. Semaforo. An jeder Kreuzung sage ich stolz, den Arm nach vorn gestreckt. Semaforo! Ich weiß nicht, ob das wieder aufhört. Frank sagt jedes mal tapfer lächelnd: “Ich weiß, da vorne ist rot.”
Was ich sagen will, es geht voran. In einem “Affenzahn” lerne ich italienisch. Vergesse alles wieder, sobald ich woanders bin und hoffe, bis zur Rente italienischen small Talk halten zu können. Bin halt nicht mehr die Jüngste. Allora!