Logorrhoe Teil 4

Das war das erste Mal in den drei Jahren Therapie, dass sie zusammen lachten. Wie traurig, dachte Johannes Fleischmann und musste darüber gleich wieder losprusten. Brigitte hatte immer noch Tränen in den Augen und es war inzwischen unklar, ob vom Lachen oder vom Weinen. Es schüttelte sie regelrecht auf ihrem Sessel hin und her und sie wischte sich mit den Händen immer wieder  übers Gesicht. " Na Herr Fleischmann, ganz schön verkackte Situation, was? Ihre fette Patientin, die ohne Punkt und Komma seit Jahren nur Dünnschiss redet und die Sie dann auch noch angreift und bloßstellt. Was für ne beschissene Therapie ist das hier eigentlich. Ganz schön viel Scheiße im Raum oder?" Sie haute sich auf die Schenkel und beugte den Oberkörper weit nach vorne vor lauter Prusten, ihr Kopf hing nach unten...." Wie wollen Sie da wieder raus kommen?" brachte sie noch mühsam hervor und wischte sich die Lachtränen ab. Sie amüsierte sich königlich und vor lauter Lachen entfuhr ihr ein ziemlich lauter Furz. Erschrocken hielt sie die Hände vor ihr Gesicht und sagte nochmal: "Ach Du Scheiße!" Johannes Fleischmann fiel in ihr Gelächter immer wieder ein. Er konnte sich nicht mehr steuern und schon gar nicht einfach aufhören. Das Wort Scheiße in all seinen Variationen war noch nie so oft zu Gast in seinem Therapieraum wie heute. Da passte dann schlussendlich auch noch ihr Furzen dazu. Was soll`s? Nach ihrer Furzvorlage brüllte er sofort: "Die Lauten stinken nicht!" und hielt sich seinen Bauch, der tat schon weh vor lauter Lachen. Er  nahm sein Glas Wasser, trank es ganz schnell aus und schickte einen tiefen gekonnten Rülpser hinterher. Sein Gesichtsausdruck war der eines frechen 13 jährigen Jungen. "Damit Sie sich nicht so schämen müssen, Brigitte...für`s Furzen!" Beide fielen fast vom Sessel von ihren immer wieder kehrenden Lachanfällen. Wenn einer aufhörte, fing der andere an. Die letzten 20 Minuten vergingen wie im Flug. Am Ende der Stunde beruhigten sie sich langsam und Fleischmann sagte: " Mensch Brigitte, da haben wir beide mal so richtig schön alles rausgelassen!" Ihre Bluse ist nun doch noch aufgesprungen, da war wohl in den letzten 20 Minuten obenrum zu viel Bewegung im Spiel. Der Knopf war nicht mehr auffindbar, sie haben alles abgesucht. Fast schüchtern hielt sie ihre Tasche vor ihren Busen  und sagte: "Nächste Woche um die gleiche Zeit und dieses Mal Klartext Herr Fleischmann, sonst furz ich!!!" Verschwörerisch schaute sie ihn nochmal an und ging.

Fleischmann schloss die Tür seines Therapieraumes und sank auf das braune Ledersofa, was er sowieso viel zu selten nutze. Er brauchte eine Pause.

Seine Kollegin steckte ihren Kopf rein und fragte, was los war. Es wäre so laut gewesen und mal ging die Tür auf, dann wieder zu. Fleischmann grinste sie an: "Alles bestens. Es ging um Langeweile, Wut, es gab Tränen, Lachen und auch Furzen und Rülpsen. Halt wie im richtigen Leben." grinste er. Sie erwiderte:" Na dann lüfte mal weiter, hier stinkt's wie in Brehms Affenhaus und hier sieht`s aus wie in einem unaufgeräumten Kinderzimmer." Johannes Fleischmann sah sich um und sah mit den Augen seiner Kollegin in seinen Raum. Die Wassergläser waren umgekippt, die Sessel auseinandergeschoben, das Wasser verschüttet, der Teppich aufgerollt. Beim Knopf suchen ist wohl einiges durcheinander geraten. Und sie hat recht, es stinkt hier gewaltig. Stinken sie wohl doch, die Lauten, dachte er.

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Kommentare: 1
  • #1

    Andrea Bosten (Donnerstag, 19 Januar 2017 10:48)

    Herrlich!!! Bin selber Therapeutin, Jahrgang 61, liebe Kreta!!!!! Ihr Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut....!!!
    Herzliche Grüße
    Andrea